Natur und Umwelt 02/2026
Neophyten – ständige Begleiter in der Bio-Landwirtschaft
Biobetriebe stellen sich auf ihren Bauernhöfen täglich den auch gesellschaftspolitisch relevanten Herausforderungen des Klimawandels. Sie reagieren mit besonderem Augenmerk auf die Gesunderhaltung ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen, der Vitalität des Bodenlebens, einer vielfältigen Fruchtfolge mit differenzierter Sortenwahl sowie angepassten Anbauzeitpunkten und Bearbeitungstechniken. Das zunehmende Auftreten von neuen Pflanzen, den Neophyten, in landwirtschaftlichen Kulturen ist Jahresschwerpunkt und somit auch Thema dieser Ausgabe von „Natur und Umwelt im Pannonischen Raum”. Bei der Kultivierung von Pflanzen zur Erzeugung von gehaltvollen Lebensmitteln sind biodiversitätsfördernde, aber einer erfolgreichen Ernte hinderliche Beikräuter, umgangssprachlich besser als Unkräuter bekannt, ständige Begleiter. Damit haben die Biobäuerinnen und Biobauern gelernt, umzugehen.
Aber auch die Unkrautflora unterliegt einem ständigen Wandel, der sich in aller Regel unmerklich vollzieht. Stetig kommen neue Unkrautarten hinzu. Dabei handelt es sich oftmals um nicht heimische, sogenannte neophytische Unkrautarten. Einige Arten haben sich in den letzten Jahrzehnten erkennbar ausgebreitet und führen bereits zu empfindlichen Ertragseinbußen und Kostensteigerungen bei der Bekämpfung. Ein bekanntes Beispiel ist das Ragweed, das sich seit den 1990er-Jahren in steter Ausbreitung befindet und gegenwärtig in vielen Regionen Österreichs vorkommt. Stechapfel, Kleeseide und das Erdmandelgras, aber auch wilde Wickenarten können zum Problem auf den Feldern werden. In der Bio-Landwirtschaft ist ihr Auftreten heikel, da nachhaltige Bekämpfungsmöglichkeiten dieser oftmals ausdauernden Arten rar oder sehr aufwendig und die Werkzeuge, die zur Regulierung zur Verfügung stehen, somit begrenzt sind.
Bei Vorkommen von Neophyten in Kulturen oder in den im ÖPUL verpflichtend anzulegenden Biodiversitätsflächen, gibt es einerseits rechtliche Vorgaben, andererseits Richtlinienerleichterungen für Pflegemaßnahmen, um die weitere Ausbreitung und deren unangenehme Wechselwirkungen, besonders im Sinne der Landwirte und Konsumentinnen sowie der gesamten Bevölkerung, hintan zu halten.
Ich danke allen mit dieser Zeitschrift verbundenen Institutionen für deren wertvollen Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz im Pannonischen Raum. Ich durfte über 20 Jahre im Namen der burgenländischen Biobäuerinnen und Biobauern als Interessensvertreter den Standpunkt des Biolandbaus zu Themen des Schutzes unserer Natur und Umwelt vertreten. Ich verabschiede mich nun aus dem Redaktionsbeirat und trete in den beruflichen Ruhestand. Natur und Umweltschutz werden aber weiterhin mein sehr großes persönliches Anliegen bleiben.
DI Ernst Trettler
Bio Austria Burgenland
P.S.: Lieber Ernst Trettler!
Herausgeber und Redaktion bedanken sich herzlich für die langjährige, ausgezeichnete Zusammenarbeit, für Deine vielen wertvollen Artikel und Beiträge und wünschen Dir für Deinen neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute!