Wir alle haben etwas Kostbares in unserem Leben, dessen Verlust wir fürchten. Für manche ist es die Familie, die Gesundheit, der Besitz, der Arbeitsplatz oder etwas anderes – meist etwas, das wir uns mit großer Mühe erarbeitet haben. Würde man jemanden auf der Straße anhalten und fragen, was er im Augenblick am meisten zu verlieren fürchtet, so würde er wahrscheinlich einige dieser Beispiele nennen. Der Sommer ist eine wunderbare Zeit für eine solche innere Reflexion. Die Hitze zwingt uns dazu, einen Gang zurückzuschalten.
Vielleicht sind wir im Urlaub und haben mehr Zeit zum Nachdenken. Wir sollten dabei etwas nicht aus dem Blick verlieren, wenn wir an Gottes Gaben denken. Es gibt nichts schöneres als Gottes Gaben, damit wir uns richtig verstehen, aber dennoch existiert etwas, was noch wertvoller ist – Er selbst.
Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.“, sagt Jesus im Matthäusevangelium (Mt 13,45–46). Eine Perle entsteht in einer Muschel durch ein „Versehen“. Ein Sandkorn oder etwas Ähnliches gelangt in sie hinein, sie beginnt, dieses Teilchen mit Perlmutt zu umhüllen, um sich dagegen zu wehren. In vierunddreißig Perlmuttschichten kapselt sie den Reizkörper ab, der am Ende nur noch stärker auf sie drückt. Ich glaube, die Muschel sehnt sich danach, dass jemand diese Perle herausnimmt und sie von dem Schmerz befreit. Das Himmelreich ist ein Bild für die Herrschaft Gottes, aber auch für Gott selbst.
Er ist dieses Reich; seine Gegenwart ist der Schatz, jene kostbare Perle. Vielleicht weil es unser Verständnis übersteigt und weil wir dazu neigen, Geschaffenes an die erste Stelle zu setzen, wissen wir es nicht mit jener Intensität zu schätzen, die aus der Angst entspringt, es zu verlieren. Und hier gelangen wir an einen Wendepunkt: So wie die Auster sich wünscht, die kleine Perlmuttkugel in ihrem Inneren loszuwerden, so wünscht auch Gott, sich dem Anderen zu schenken. Wenn wir vor einer Wahl stehen, sind wir Menschen sehr wählerisch. Wir lehnen dies und jenes ab; nichts scheint uns gut genug zu sein. Es ist nichts Falsches daran, Maßstäbe zu haben – ganz im Gegenteil –, doch manchmal gerät unser Auswählen außer Kontrolle; die Seele leitet uns nicht mehr, und das Ego übernimmt das Ruder. In diesem Zusammenhang ist die Perle nicht nur ein Bild für das Himmelreich und unsere Prioritäten, sondern auch ein Wegweiser, der auf Gottes Barmherzigkeit hinweist.
Alles, was uns angeboten wird, und alles, was wir besitzen, ist das Ergebnis von Gottes Barmherzigkeit. Selbst Nöte können ein Segen im Gewand des Unglücks sein – für jene, die bereit sind, sie so zu betrachten. Sinn zu finden in Krankheit, Verlust oder dem Verlust dessen, was wir einst hatten und liebten – genau dort lässt sich die Perle finden. Oder vielmehr: das, was wir zu besitzen glaubten.
Die Perle ist die Erkenntnis einer Botschaft in einem Geschenk das währt und der Botschaft ihres Verlustes. Eine solche Perle zu bergen, ist eine schwierige Aufgabe, so wie es eine Herausforderung ist, jenes eine kostbare Juwel inmitten einer Vielzahl anderer zu finden. Diese kostbare Perle ist Gottes Gegenwart in unserem Leben und das Leben in seiner Gnade.
Der einzige Verlust, den wir wirklich fürchten sollten, ist die Abkehr von Gott. Wir können Ihn nicht verlieren, es sei denn, wir entscheiden uns bewusst dafür. Alles andere, was wir besitzen, dient lediglich als zusätzlicher Ansporn, Ihm in Lobpreis und Hoffnung näherzukommen.
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