Kaum jemand wünscht ein frohes und schönes Pfingstfest. Man schickt sich auch keine Glückwunschkarten, wie zu Weihnachten üblich. Pfingsten kennt keine vollen Regale mit „Pfingstlichem“.
Der Schokohase ist längst geschlachtet, die bunten Ostereier – schon vor Beginn der Fastenzeit in den Geschäften – sind vergessen und die Weihnachtsplanungen beginnen erst vor Allerheiligen. Anscheinend ist der Heilige Geist nicht zu fassen, nicht in Schokolade, Marzipan, Goldfolie, nicht einmal in einer Plüschtaube. Es gibt auch kein spezifisches Pfingstessen, wie Truthahn, Karpfen oder Lamm; Gegrilltes ist kein Festessen. Der Heilige Geist entzieht sich unseren Übergriffen und der schreienden Vermarktung.
Geistloses aber bleibt, mehr, als wir zugeben. Dieses hat es immer gegeben, heute raffinierter und versteckter. Vor Tagen hat der Moderator in der Morgensendung des burgenländischen Provinzradios gesagt: „Erfreut auch des Daseins“ und ebenso konnte ich kürzlich auf einem Auto lesen: „Lebe dein kreatives Potential – Kreativ Coaching“. Solches Geschwätz verdient mit der Geistlosigkeit und der Einfalt.
Dass sich Trump als Erlöser und Gottgesandter proklamiert, Putin und andere Machtgierige ihre Kriegslüsternheit auf Kosten der Menschen ausleben, dass kleine Populisten Gott strapazieren und ihre eigenen Götter beschwören, ist geistlos. Kriege, Waffenproduktionen, Drohungen, Menschenhandel, Korruption, Ausbeutung, Verleumdung, Gier und Neid; Wunden, die dem Leben geschlagen werden, die Armut weltweit, die ganze Banalität des Bösen ist kaum zu fassen.
Aber es gibt auch die anderen, die Weisen, Wachen, Demütigen, jene, die Solidarität üben, sich für andere verschwenden, Wunden heilen, aufrichten, trösten, zuhören, sehen, gegen den Strom schwimmen, Gutes stiften, Gute ermutigen, Leben entfalten, Zukunft beginnen und wagen, der Welt Kinder schenken und den Sterbenden den Himmel offenhalten. Jene, die vertrauen, hoffen, lieben und glauben, trotz aller Zweifel. Andere schaffen Schönes, Architektur, Kunst, Musik, Literatur, all die Wunder dieser Welt und sie bringen die Seelen der Menschen zum Beben.
Ohne ihre Kreativität würde das Leben zur Wüste, ausgeliefert den Maschinen, dem Geld, den Algorithmen und der Künstlichen Intelligenz. Es gibt die Geistträger und die Zeugen des Gottes in der Kirche und außerhalb der Kirche, in allen Jahrhunderten dieser ungeduldigen Weltgeschichte.
Pfingsten ist nicht das Fest der frommen Erinnerungen, sondern Gottes Provokation, Gottes Zumutung und Gottes Geschenk. Ein Fest unbändigen Lebens und der Ungeduld Gottes. In Taufe und Firmung wurden wir Christen mit der Fülle der Geistesgaben beschenkt. Und so singt die Kirche in einem Pfingstlied: „Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig; wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig. Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid, Gott suchend und Gott lobend.“
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