Eine Kopie der Muttergottes von Mariazell pilgert seit dem Jahr 1973 jedes Jahr durch die burgenländisch-kroatischen Dörfer. Ihr einjähriger Aufenthalt, jedes Jahr an einem anderen Ort, verbindet die Kroaten, die sie schon freudig erwarten zu gemeinsamen Gebeten, durch die sie Frieden und Ermutigung für den Alltag schenkt. Die Wandermuttergottes von Mariazell besuchte erstmals in den Jahren 1992–93 die Kroaten im ungarischen Teil des Burgenlandes, als sie in Siegersdorf (Hrvatski Židan) beheimatet war. Von dort kam sie für einen Monat zu den Gläubigen nach Und.
Im vergangenen Jahr übernahmen die Bewohner von Siegersdorf in Mariazell zum zweiten Mal die Wandermuttergottes von Mariazell, um sie in der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers zu beherbergen. Von ihrem Hauptort Siegersdorf pilgert die Marienstatue auch in andere kroatische Pfarren der Umgebung. So wurde sie am 29. März nach Und gebracht. Ein starker, schneidender Wind begleitete etwa fünfzig Fußpilger aus Siegersdorf auf dem 14 km langen Weg nach Und.
Beim Gaja-See – in Und – wurden sie von einheimischen und auswärtigen Gläubigen empfangen, um die Statue gemeinsam in einer Prozession zur Kirche des Heiligen Martin zu begleiten. Die Pfarrer Pál Kovács und Anton Kolić begrüßten die heilige Statue und die Gläubigen vor der Kirche und feierten anschließend die hl. Messe. Die Gläubigen beteiligten sich mit Gesang und Gebeten an der Liturgie. An der Orgel leitete Balázs Orbán den gemeinsamen Gesang. Der Frauenchor „Biseri“ aus Und und der Chor „Staro vino“ aus Geresdorf bereicherten das Treffen musikalisch mit geistlichen Liedern. Die Gnadenstatue wurde vor der Kanzel aufgestellt und wartete dort auf die Gläubigen.
Und sie kamen… Die Bewohner von Und beteten jeden Donnerstag den Rosenkranz in der Nähe der Marienstatue.
Am 11. April pilgerten etwa siebzig Gläubige aus Güttenbach mit Bussen und Autos zur Wandermuttergottes von Mariazell nach Und. Vier kamen zu Fuß – ebenfalls bei schlechtem Wetter, doch sie hielten durch, angezogen von der Freude auf die Gottesmutter. Der Pfarrer von Güttenbach, Marko Zdravec, und Diakon Franz Jandrisits feierten die Messe, die musikalisch von dem Ehepaar Vukovits an der Gitarre gestaltet wurde. Vor der Messe schenkte Ivan Rotter vom kroatischen Kulturverein den Anwesenden Bücher des Schriftstellers und Pfarrers Ivan Blažević („Ausgewählte Gedichte“, „Prosa“).
Die Pilgergruppe aus Kaisersdorf kam am 25. April, bereits bei viel schönerem Frühlingswetter. Sechzehn Pilger legten den Weg zu Fuß zurück – eine Leistung, die Lob verdient. Der ungarisch-slowakische Pfarrer von Und, Pál Kovács, sprach seine Begrüßungsworte mehrsprachig, und auch der Pfarrer von Kaisersdorf, Grzegorz Kotynia, hielt die Messe zweisprachig – auf Kroatisch und Deutsch. Der „Gastkantor“ Eduard Jahns gestaltete die Pilgermesse musikalisch. Am Ende der Messe zog man – wie jedes Mal – in einer Prozession mit der Gnadenstatue zum Denkmal der gefallenen Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Nach der Messe konnte jeder seinen persönlichen Dank und seine Bitten vor der Mariazeller Gnadenstatue niederlegen.
Ungarischsprachige Pilger aus den Nachbardörfern wurden am 22. April in der Kirche des Heiligen Martin empfangen. Sabina Balogh, Vorsitzende der kroatischen Selbstverwaltung von Und, stellte den ungarischen Gläubigen kurz die Geschichte der Wandermuttergottes von Mariazell vor. Die Messe leitete Pfarrer Pál Kovács mit Kantorin Zsuzsanna Nagy. Nach der Prozession kamen die Gläubigen aus Zsira, Sopronhorpács, Csepreg, Répcevis, Völcsej und Szakonya zu einer gemeinsamen Agape zusammen, die jedes Mal zur Erholung und zum gegenseitigen Austausch vorbereitet wurde. Für den Empfang der Wandermuttergottes und der Pilger sorgten die kroatische Selbstverwaltung, die Gemeindeverwaltung von Und sowie der kroatische Kulturverein und die Feuerwehr von Und.
Die Verabschiedung der Gnadenstatue fand am 26. April um 8 Uhr morgens im Rahmen einer Messe mit den Gläubigen von Und statt. Den Zelebranten, Pfarrer Anton Kolić, begleitete musikalisch Kantor Balázs Orbán. Die Feier wurde von den Tamburizza Spielern „Veseli Gradišćani“ verschönert. Die Wandermuttergottes von Mariazell hinterließ eine unvergessliche spirituelle Spur in den Herzen der Bewohner von Und.
Fotos: Marija Fülöp Huljev



