Demut ist nicht etwas, was man hat, übt oder tut, Demut muss erlernt werden und ist eine Lebenshaltung und sie formt das Leben. Auch wenn es in letzter Zeit „modern“ geworden ist, bei allen Gelegenheiten zu sagen: „In Demut nehme ich diese Aufgabe oder diese Verantwortung an“.
Allerdings, das klingt oft wie eine angelernte Formel und ist wenig glaubwürdig. Wer demütig ist, muss viel Mut haben, denn sie ist bescheiden und unaufdringlich, sie nimmt sich zurück und sie drängt sich nie auf. Demut ist in einer Welt der Selbstdarsteller keine Tugend, sie wird gerne als Schwäche ausgelegt. Bei Stellenbewerbungen werden diverse Fähigkeiten aufgelistet, Kurse und Ausbildungen benannt und Bildungsansätze beschrieben, auch wenn es nur der Führerschein, ein Computerprogramm, ein Schnellkurs oder ein abgebrochenes Studium ist. Kaum jemand sagt, was ausgeblieben ist, nicht erlernt wurde und ein Mangel bleibt. Von menschlicher Bildung, von Empathie, von wirklichen Talenten und Charismen, die den Menschen ausmachen, wird kaum oder nie gesprochen. Demut, der Mut zum Dienen ist eine der großen menschlichen Begabungen. Sie ist verwandt mit der Bescheidenheit. Angeberei, Stolz und Hochmut sind ihr fremd. Die Demut protzt nicht, sondern tritt zurück, sie ist unaufdringlich und leise, aber sie ist nicht zu übersehen.
Sie sagt nie: „Das steht mir zu, darauf habe ich Anspruch!“ Wer Demut übt, legt Hand an, öffnet Augen und Ohren, schreckt auch vor dem Schrecklichen nicht zurück und versteckt sich nicht im blendenden Schein des Lebens.
Der Mut zum Dienen wird nicht einfach in den Schoss gelegt, ist nicht billig zu kaufen, sondern will gelehrt, gelernt und geübt werden und dieser Mut macht den Menschen zum Menschen. Der Mut zur Demut macht den Menschen groß. Die Demut ist nicht wehleidig, nicht berechnend, sondern verschwenderisch. Sie würde uns gut anstehen in einer Welt der Protzer, vor allem auch jenen, die sich Christen nennen dürfen. Nicht, weil die Christen perfekter oder besser sind, sondern, weil sie zu Gott aufschauen und an diesen Gott glauben. Gott ist Demut, verschwenderische Liebe, einer, der sich für die Menschen und die menschelnde Welt aufreibt, auch wenn er zu oft schweigt.
Den demütigen Gott zu suchen und zu finden, ist ein ehrliches Fasten, weit mehr als irgendwelche Ernährungs- und Fastentechniken.
Dazu möchten die vierzig Tage vor Ostern ermutigen, damit an Ostern das wirkliche Leben durchbricht. Dieses Leben aber heißt: Auferweckung, Auferstehung, Gegenwart in und Zukunft bei Gott und es wagt, dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus in dieser gebrochenen und nach Leben sehnsüchtigen Welt, zu begegnen. Österliches Leben ist wirkliches Leben, Leben in Fülle, unbegrenzt und die Überwindung aller Versuche, die Menschen demütigen, ängstigen und einengen und festnageln möchten.
Auch so kann die jährliche Fastenzeit vor Ostern zum Segen werden und das Leben beleben.
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