Geschichte und Gebäude 2017-05-10T09:59:29+00:00

Pfarrkirche Pinkafeld

Inschrift: eingeweiht 1786, renoviert 1888

Zur Zeit Maria Theresias (1740-1780) erlebte Pinkafeld, vor allem durch das Tuchmachergewerbe, einen enormen Aufschwung. Da die Kirche für den aufstrebenden Markt zu klein geworden ist, riss man sie 1772 ab und baute an der selben Stelle das heutige Gotteshaus aus Mitteln der Pfarre, der Gläubigen und des Grafen Joseph von Batthyány. Der entwerfende Architekt ist unbekannt. Die beteiligten Handwerker waren der Pinkafelder Maurermeister Christoph Prisching mit seiner Friesl-Maurersippe aus Rheinpfalz, Polier Josef Haffner, Zimmermeister Josef Ringhofer und Tischlermeister Joseph Christ. Der Rohbau war 1774 fertiggestellt. Am 1. September 1786 wurde das Gotteshaus durch den Bischof von Steinamanger, Johann Szily, den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht.

Die Kirche, die 150 Personen fasst, wurde erst 1807 fertiggestellt. Weitere Aus- und Umgestaltungsarbeiten führte man bis 1860 durch. Die Außenfassade des einschiffigen Baus ist reich ausgestattet. Die weithin sichtbare Westfassade mit dem Scheingiebel und dem Turmgeschoß ist durch Lisenen, das sind angedeutete Pfeiler, in drei Wandflächen geteilt und zusätzlich durch stark hervorgehobene Gesimszonen quergeteilt. In den äußeren Wandflächen stehen in halbrunden Nischen die vollplastischen Steinfiguren der ungarischen Nationalheiligen Stephan (links) und Ladislaus (rechts). Im mittleren Wandfeld befindet sich über dem Hauptportal in einer flachen Nische ein Kruzifix mit der schmerzhaften Muttergottes. Darüber erhebt sich der 58 m hohe Turm mit spätbarockem Zwiebelhelm.

Im Inneren des Gotteshauses ist der Stilwandel vom dekorationsfreudigen Spätbarock zum strengen Klassizismus erkennbar. In der Mitte des Turmjochs befindet sich der Haupteingang. Rechts davon liegt die Treppe zum Chor, auf der linken Seite ist ein Marianischer Gebetsraum mit einer barocken Marienstatue eingerichtet. Das weiträumige, vierjochige Langhaus mit den weit gespannten Bögen und tiefen Gewölben wird von wuchtigen Wandpfeilern, die fünfseitig abgeschrägt sind, getragen.

Der Altarraum wurde bei der letzten Renovierung 1991 neu gestaltet. Altartisch, Rednerpult, Kerzenständer, Kreuz und die Sessel hat der Akad. Bildhauer Thomas Resetarits aus Kirschholz geschaffen. Der spätbarocke Hochaltar wurde 1774 vom Ödenburger Bildhauer Nicolaus Minich errichtet. Das vom Grazer Maler Anton Jäntl geschaffene Altarbild, ein gutes spätbarockes Ölbild, zeigt die Geburt Christi. Oberhalb befindet sich der Aufsatz mit Gottvater auf Wolken, der die Erdkugel hält, und mit der Hl. Geist-Taube im Strahlenkranz in der Mitte. Im Hochaltar ist das barocke Programm des dreifaltigen Gottes durchgezogen, d. h. über dem Vater der Hl. Geist und die Darstellung des Sohnes im Altarbild darunter.

Beiderseits des Altars stehen in den Fensternischen die vergoldeten Stuckfiguren der Kirchenpatrone Petrus (mit Schlüssel) und Paulus (mit Schwert), die von Nicolaus Minich errichtet worden sind. Auf dem gemauerten Altartisch steht der marmorierte Tabernakel, flankiert von zwei korinthischen Säulen und zwei großen knieenden Engeln, die ebenfalls von Minich stammen. Auf der Rückseite des Altartisches ist eine Sandsteinplatte mit der Jahreszahl 1665 eingemauert.

In den beiden Kehlen der Triumphbogenpfeiler am Übergang vom Altar- zum Kirchenraum stehen Kanzel und Taufbecken, die dem Bildhauer Philipp Jakob Prokopp zugeschrieben werden. Die Kanzel mit den hölzernen, vergoldeten Sitzfiguren der vier Evangelisten und dem Schalldeckel mit den Engeln und Gesetzestafeln Moses‘ wurde 1779 als neu und elegant erwähnt.

Über dem Taufbecken sieht man Johannes den Täufer mit der Muschel und dem Schriftzug „Ecce Agnus Dei“ (Seht das Lamm Gottes) und den knienden Jesus.

Das Taufbecken, das um 1780 als bewusstes Gegenstück zur Kanzel entstanden ist, hat die Form einer Trommel, die auf ein zweistufiges Holzpodest gesetzt ist. Darauf befindet sich die teilweise vergoldete Figurengruppe aus Stuck, die Johannes den Täufer bei der Taufe Jesu zeigt. Der darüber liegende Deckel mit der Hl. Geist-Taube auf der Unterseite und einem Engel mit einer Schriftrolle auf dem Aufsatz ist dem Kanzeldeckel sehr ähnlich.

Die beiden vorderen Seitenaltäre sind um 1790 errichtet worden. Die beiden hinteren stiftete Gräfin Franziska von Bátthyány im Jahr 1826. Alle vier Seitenaltäre zeigen heute den gleichen Aufbau. Vorne steht ein sarkophagförmiger Tisch, auf beiden Seiten stehen weiße Heiligenfiguren, die Nikolaus Minich zugeschrieben werden. Das Altarbild wird von zwei korinthischen Säulen und einem Aufsatz geschmückt. Vorne links steht der Altar des hl. Johannes Nepomuk. Das spätbarocke Ölbild unbekannter Herkunft zeigt die Himmelfahrt des Heiligen. Die linke Figur stellt den hl. Joachim dar, rechts steht die hl. Anna. Vorne rechts befindet sich der Altar der Maria Immaculata, d. h. die unbefleckt Empfangene. Das Ölbild eines unbekannten Meisters stellt Maria mit dem Jesukind im Arm dar. Links steht der hl. Antonius von Padua und rechts der hl. Aloisius.

Hinten links ist der Kreuzaltar aufgerichtet. Das gute nazarenische Altarbild wurde von Johann Nepomuk Höfel um 1826 gemalt. Es zeigt Jesus am Kreuz und Maria daneben stehend. Seitlich stehen die hl. Magdalena (links) und der hl. Johannes Evangelist (rechts). Hinten rechts befindet sich der Herz-Jesu-Altar. Das Altarbild unbekannter Herkunft aus der Mitte des 19. Jhs. stellt Jesus auf einer Wolke stehend dar. Links steht der hl. Johannes Evangelist und rechts der hl. Petrus.

Die Orgel wurde 1966 eingeweiht.

Die Orgel auf der Empore (Chor) bildet ein eindruckvolles Gegenstück zum Altarraum. Die heutige Orgel wurde 1966 in das spätbarocke Gehäuse eingebaut. Sie ist rein mechanisch und besteht aus 1403 Pfeifen. Die größte Pfeife ist 3 m und die kleinste nur 5 mm lang. An der Südseite der Kirche befinden sich vier Fenster, während nordwärts ursprünglich nur ein Fenster angebracht war. Erst bei der Renovierung 1991 wurden die drei hinteren Fenster neu geschaffen. Alle Fenster sind heute mit Glasmosaiken, die Heiligenfiguren zeigen, ausgestattet.

Das vorderste Glasmosaikfenster an der Südseite zeigt St. Georgius, das zweite den ungarischen Nationalheiligen, den hl. Stephan. In den beiden hinteren Fenstern befinden sich die Darstellungen des St. Judas Thaddäus und der St. Cäcilia. Im vordersten Fenster an der Nordseite ist St. Nikolaus abgebildet, im zweiten sieht man St. Antonius. Das dritte Fenster zeigt St. Matthäus und im hintersten Fenster befindet sich St. Norbert. Die Vorderseiten der beiden Bankreihen sind mit acht Holztafeln, in denen Szenen aus dem Leben Jesu eingeschnitzt sind, verziert. Der Fußboden ist mit Kehlheimer Platten ausgelegt. Neben dem Südausgang befindet sich eine Holzplastik des steirischen Bildhauers Sepp Vehofz, die den hl. Antonius darstellt.

Eine genauere Beschreibung der Pfarrkirche, vor allem über die Symbolik der Einrichtung und die Bedeutung der Attribute der Heiligenfiguren, entnehmen Sie dem Kirchenführer.

© Mag. Rudolf Köberl