Geschichte und Gebäude 2016-11-09T11:30:37+00:00

Geschichte:
Ein erster konkreter Hinweis zur Kirche Riedlingsdorf findet sich im kanonischen Visitationsbericht vom 9. März 1697:
Der Ort Rurensdorff, der zur Herrschaft Pinkafeld gehört, hat eine Kirche außerhalb des Dorfes im Süden auf einem flachen Platz, die dem Papst und Märtyrer Urban geweiht ist. Sie hat einen hölzernen Turm mit einer Glocke, Chor und Kanzel sind aus Holz. Das Sanktuarium ist gewölbt, das übrige flach. Sie besitzt weder Sakristei, noch Taufbecken, noch Beichtstuhl. Vorhanden ist ein Altar zu Ehren des hl. Urban.

Zu Beginn des 19. Jh. musste die inzwischen baufällig gewordene Kirche abgerissen werden.
Am 26. Okt. 1811 erfolgte die Grundsteinlegung zur Erbauung einer neuen Kirche inmitten des Dorfes auf einer kleinen Anhöhe. Der Bau dieses Gotteshauses fällt in die Amtszeit des weit über die Grenzen Pinkafelds bekannten Pfarrers Josef Michael Weinhofer (1806-1859).

Auszug aus dem Visitationsbericht vom 11. Sept. 1812:

„Die neue Kirche wird in diesem Jahr zum Teil mit Hilfe der Grundherrschaft (das war damals Batthyàny Miklòs) aus solidem Material gebaut, die Mauern stehen bereits. Sie bietet Platz für 200 Personen, erhält einen gemauerten Turm, der eine Glocke mit 114 lb beinhaltet und wird dem hl. Urban geweiht. Der Friedhof bei der Kirche wird auch für die Akatholischen angelegt.“

Am 27. Aug. 1815 wurde die Filialkirche unter Beisein von 18 Priestern durch Bischof Leopold Somogyi (Steinamanger) feierlichst konsekriert. Diese Einweihung durch den Bischof war damals etwas Einmaliges und eine ganz besondere Auszeichnung, da es nicht üblich war, eine neue Filialkirche durch den Bischof zu weihen.

Glasfenster Filialkirche Riedlingsdorf

Glasfenster Filialkirche Riedlingsdorf

In den folgenden Jahrzehnten waren natürlich immer wieder Renovierungen, Umbauten und Neuanschaffungen notwendig – u.a. gibt es ab 1956 zwei Glocken. Die umfangreichsten Arbeiten fanden von Juni 1993 bis März 1994 statt: Innen- und Außenputz zum Großteil abgeschlagen, Mauerwerk trockengelegt, Boden neu betoniert und mit Steinplatten versehen. Kanzel und Seitenaltar entfernt und nicht mehr angebracht. Neu aufgestellt wurden ein Volksaltar, eine dreiteilige Sessio, ein Ambo, ein großer Kerzenständer sowie ein Kredenztischchen, alle entworfen und hergestellt vom südburgenländischen Künstler Prof. Thomas Resetarits. Die drei Glasfenster wurden neu gestaltet, entworfen ebenfalls von Resetarits, gespendet vom damaligen Pfarrer Johann Zakall. Heute steht die Kirche unter Denkmalschutz.

Anzahl der Katholiken in Riedlingsdorf:
1697: 130 (18,6%)
1832: 285 (22,4%)
1990: 366 (23,3%)
2014: 509 (31,2%)

Beschreibung der Kirche:
Im Buch „Kunstdenkmäler des Bezirkes Oberwart“ wird das Gotteshaus wie folgt beschrieben:

Innenansicht Filialkirche Riedlingsdorf

Innenansicht Filialkirche Riedlingsdorf

Einschiffige klassizistische Landkirche mit Fassadenturm und halbkreisförmigem Chor, der ohne Einzug an das zweijochige Schiff anschließt. Turm und Seitenteile der Fassade sind durch Faschen gerahmt, in den Turm rechteckiger Haupteingang, darüber Segmentbogenfenster. Das Turmobergeschoss ist von vier rundbogig geschlossenen Schallfenstern durchbrochen. Zweifach gestufte Zwiebel mit Kugel und Doppelkreuz. In der Südwand der Kirche zwei Rundbogenfenster. Satteldach über der Apsis rund abgewalmt.

 

 

 

Auch der Hochaltar, der seit der Bauzeit kaum verändert wurde, wird darin angeführt:

Hochaltar Filialkirche Riedlingsdorf

Hochaltar Filialkirche Riedlingsdorf

Einfacher klassizistischer Aufbau über gebauchter Steinmensa. In Weiß und Gold gefasster Kastentabernakel mit Ecksäulchen und Giebel. In der geraden, mit Lorbeerfestons verzierten Wand, sitzt in halbrund geschlossenen Rahmen das Altarbild, hl. Urban. Der mit Eckrosetten geschmückte gerillte Rahmen ist weiß-gold gefasst. Über dem geraden Gesims Taube im Strahlenkreuz. Vier Kerzenleuchter am Hochaltar. Mit Blüten und lanzettförmigen Blättern geschmückter kannelierter Schaft auf drei Voluten-Füßen, Holz vergoldet.

Das Altarbild trägt leider keine Signatur und auch keine Jahresangabe, dürfte aber aus den Jahren 1812/13 stammen. Über Herkunft, Leben und Wirken von Papst Urban I. ist nichts Historisches bekannt, außer dass er der Sohn eines vornehmen Römers namens Pontianus war, in der Regierungszeit des religiös toleranten Kaisers Alexander Severus als Bischof von Rom amtierte. Er starb wahrscheinlich nicht als Märtyrer, sondern am 25. Mai 230 eines natürlichen Todes und wurde im Coemeterium an der Via Appia (Katakomben San Callisto) bestattet. Er wird seit dem frühen Mittelalter als Schutzpatron der Winzer und des Weinbaus verehrt, weil sein Festtag, der 25. Mai (Todestag), in den Beginn der Rebenblüte fällt. Die in früherer Zeit vorhandenen Weingärten in Riedlingsdorf dürften der Grund für dieses Patrozinium sein.